Inte­grale Vergabe für das Helm­holtz-Institut für One Health (HIOH)

Inno­va­tive Entwick­lung für einen Forschungs­neubau mit hoch­in­stal­lierten Labor­flä­chen

Auf dem Wissen­schafts­campus der Univer­sität Greifs­wald entsteht ab dem Sommer 2025 unter Beglei­tung der rheform-Gruppe ein bemer­kens­wertes Forschungs­ge­bäude: das Helm­holtz-Institut für One Health (HIOH). Das One-Health-Konzept beschreibt einen ganz­heit­li­chen Forschungs­an­satz, der Mensch, Tier und Umwelt syste­misch mitein­ander verbindet. Im Zentrum stehen dabei die Unter­su­chung und Präven­tion neu auftre­tender Infek­ti­ons­krank­heiten, die Verän­de­rung bekannter Erreger und ihre wach­sende Resis­tenz gegen Medi­ka­mente.

Der geplante Neubau hat entspre­chend hohe Anfor­de­rungen an Sicher­heit und Funk­tio­na­lität. Darüber hinaus erfolgt die Reali­sie­rung des Bauvor­ha­bens über einen beson­deren stra­te­gi­schen Weg. Der öffent­liche Bauherr, das Helm­holtz-Zentrum für Infek­ti­ons­for­schung (HZI), entschied sich bei der Umset­zung für eine inte­grale Vergabe von Planung und Bau. Für einen Forschungs­neubau in Deutsch­land ist diese Vorge­hens­weise unge­wöhn­lich, doch ausge­spro­chen inno­vativ.

Von der Projekt­ent­wick­lung zur verläss­li­chen Umset­zung

Merk­male und Vorteile einer inte­gralen Vergabe

Anders als bei einem tradi­tio­nellen Verga­be­ver­fahren bündelt eine inte­grale Vergabe Planung und Bau in einem Vertrag. Sie basiert auf einer fundierten Bedarfs­pla­nung, die Quan­tität, Qualität und Kosten schon zu einem frühen Zeit­punkt detail­liert fest­legt. Die Ergeb­nisse der Projekt­ent­wick­lung sind in einem parti­zi­pa­tiven Prozess mit allen Wissens- und Entscheidungsträger:innen abge­stimmt und gelten als verbind­liche Grund­lage für die weitere Umset­zung. Das Verfahren ermög­licht paral­lele Prozesse, verkürzt Abstim­mungs­wege und beschleu­nigt den Projekt­fort­schritt. Im späteren Baupro­zess lassen sich so zeit- und kost­spie­lige Ände­rungen vermeiden.

Im öffent­li­chen Bausektor ist eine inte­grale Vergabe im hoch­in­stal­lierten Laborbau mit Berei­chen bis zum biolo­gi­schen Sicher­heits­level 3 (BSL‑3) bislang die Ausnahme. Öffent­liche Auftrag­geber sind in der Regel an Regu­la­rien gebunden, die auf tradi­tio­nelle Verga­be­ver­fahren zuge­schnitten sind. Dass ein inte­grales Verfahren im Fall des HIOH dennoch zuge­lassen und umge­setzt werden konnte, ist das Ergebnis eines voraus­schau­enden, inter­dis­zi­plinär beglei­teten Planungs­pro­zesses mit klarer Struktur, hoher fach­li­cher Tiefe und enger Abstim­mung mit allen rele­vanten Stellen.

Rolle und Leis­tungen der rheform

Seit 2021 begleitet die rheform-Gruppe das Vorhaben mit ihrer Exper­tise aus Hochbau, Labor­kon­zep­tion, tech­ni­scher Gebäu­de­aus­rüs­tung (TGA) und Verga­be­ma­nage­ment. Das rheform-Team ist von der Projekt­ent­wick­lung bis zur Inbe­trieb­nahme einge­bunden und im Projekt­ma­nage­ment tätig.

Am Anfang der Zusam­men­ar­beit stand eine umfas­sende Bedarfs­pla­nung, auf deren Grund­lage das Projekt­team verschie­dene Szena­rien zur Bedarfs­de­ckung entwi­ckelte. Darunter fiel auch die Bewer­tung einer Bestands­im­mo­bilie für eine mögliche Eignung. Früh­zeitig kamen Mach­bar­keits- und Kuba­tur­stu­dien zum Einsatz, ergänzt durch visu­elle Flächen­mo­delle. Sie machten die funk­tio­nalen und räum­li­chen Konse­quenzen der abstrakten Anfor­de­rungen auch für fach­fremde Wissens- und Entscheidungsträger:innen nach­voll­ziehbar und planbar.

Inte­grale Vergabe: schneller planen, sicher reali­sieren

Ausschlag­ge­bend für die Wahl einer inte­gralen Vergabe war der Zeit­druck bei der Finan­zie­rung. Als sich abzeich­nete, dass enge Termin­vor­gaben, förder­recht­liche Fristen und begrenzte interne Ressourcen ein tradi­tio­nelles Verga­be­ver­fahren erschweren würden, eröff­nete die inte­grale Vergabe eine realis­ti­sche Perspek­tive für eine planungs­si­chere Umset­zung.

Voraus­set­zungen und Vorteile

Voraus­set­zung für das Verfahren ist eine fundierte Projekt­grund­lage mit zwei wesent­li­chen Bestand­teilen:

    1. Eine funk­tio­nale Leis­tungs­be­schrei­bung, die auf einer tief­ge­henden Bedarfs­pla­nung mit hohem Infor­ma­ti­ons­ge­halt aufbaut sowie
    2. eine belast­bare Vertrags­grund­lage mit präzisen und verbind­li­chen Anfor­de­rungen an Quan­ti­täten, Quali­täten, Kosten und Termine.

Die rheform brachte dabei ihre Erfah­rung aus vergleich­baren Projekten ein und unter­stützte Nutzer, Betreiber und Bauherrn dabei, auf einer fundierten Fakten­basis eine trag­fä­hige Argu­men­ta­ti­ons­linie zu entwi­ckeln. So gelang es dem Bauherrn, die zustän­digen Minis­te­rien, Behörden und Förder­mit­tel­geber von den Vorteilen einer inte­gralen Vergabe zu über­zeugen:

  • klare Verant­wort­lich­keiten
  • redu­zierte Schnitt­stellen
  • hohe Planungs- und Kosten­si­cher­heit sowie eine
  • zügige Umset­zung mit Mini­mie­rung der Projekt­ri­siken.

Vorge­hens­weise bei einer inte­gralen Vergabe: Projekt­grund­lagen und tech­ni­sche Anfor­de­rungen

Für das HIOH erar­bei­tete das inter­dis­zi­pli­näre rheform-Team diese Ziele gemeinsam mit allen Wissens- und Entscheidungsträger:innen – sowohl für den Hochbau, die Labor­technik als auch für die tech­ni­sche Gebäu­de­aus­rüs­tung (TGA). Dabei lieferte das rheform-Team alle rele­vanten Grund­la­gen­daten, defi­nierte tech­ni­sche, funk­tio­nale und sicher­heits­re­le­vante Anfor­de­rungen und unter­stützte bei den Abstim­mungen mit Minis­te­rien, Behörden und Förder­mit­tel­ge­bern.

Unter der fach­li­chen Leitung von Dennis Titze (Labor­planer mit tech­ni­scher Exper­tise in der Konzep­tion hoch­in­stal­lierter Forschungs­flä­chen) und Ivan Ivanov (Archi­tekt mit lang­jäh­riger Erfah­rung in komplexer Gebäu­de­pla­nung) brachten weitere rheform-Mitar­bei­tende ihr Wissen aus den Berei­chen Nach­hal­tige Immo­bi­li­en­ent­wick­lung und Zukunfts­wei­sende Labor­kon­zepte ein.

15 Monate nach der Entschei­dung für eine inte­grale Vergabe fiel unter Einhal­tung aller öffent­lich-recht­li­chen Verga­be­richt­li­nien die Zuschlags­er­tei­lung an einen Gene­ral­über­nehmer. Das Verfahren inte­grierte sogar einen hoch­bau­li­chen Planungs­wett­be­werb, der wert­volle Impulse für die archi­tek­to­ni­sche Qualität und städ­te­bau­liche Einbin­dung setzte.

Verga­be­ver­fahren: klarer Prozess, klare Zuschlags­kri­te­rien

Die Verga­be­un­ter­lagen formu­lierten eindeu­tige Zuschlags­kri­te­rien und boten allen Bietern ein hohes Maß an Planungs­si­cher­heit. Mit juris­ti­scher Unter­stüt­zung und in enger Abstim­mung mit der baufach­li­chen Prüf­in­stanz wurde ein zwei­stu­figes Wett­be­werbs­ver­fahren mit Teil­nah­me­wett­be­werb, indi­ka­tiven Ange­boten, Verhand­lungen und finalem Zuschlag durch­ge­führt. Zwei von vier Bewer­bungen quali­fi­zierten sich für die finale Verhand­lungs­runde. Den Zuschlag erhielt schließ­lich das Unter­nehmen Gold­beck. Im Juli 2025 erfolgte die Über­gabe des Baufeldes.

Ausblick: Bau, Inbe­trieb­nahme und weitere Beglei­tung durch die rheform

Die Grund­stein­le­gung ist für den 11. September 2025 geplant. Auf dem Campus der Univer­sität Greifs­wald wird ein drei­ge­schos­siges Forschungs­ge­bäude mit Technik-Staf­fel­ge­schoss und modu­larem Aufbau entstehen. Die Inbe­trieb­nahme ist für den Sommer 2027 vorge­sehen. Das neue Gebäude bietet rund 2.800 Quadrat­meter Nutzungs­fläche mit zukunfts­fä­higen Labor- und Büro­flä­chen. Davon entfallen etwa 250 Quadrat­meter auf Spezi­al­la­bore der Sicher­heits­stufe 3 (BSL‑3) sowie auf Labore zur Analyse antiker DNA (aDNA), beispiels­weise aus Organ­proben aus Museen oder Boden­proben aus dem Perma­frost. Diese sensi­blen Bereiche erfor­dern beson­ders hohe Stan­dards bei Rein­heit und Schutz.

Nach der Fertig­stel­lung wird das HIOH der zentrale Arbeits- und Forschungs­standort für rund 100 Beschäf­tigte sein. Sie sind derzeit noch auf mehrere Gebäude in Greifs­wald verteilt. Die Gesamt­bau­kosten tragen der Bund und das Land Meck­len­burg-Vorpom­mern.

Die rheform begleitet das Projekt weiterhin im Projekt­ma­nage­ment, insbe­son­dere mit Quali­täts­si­che­rung und Vertrags­con­trol­ling, und steht dem Bauherrn, Nutzer und Betreiber auch während der Bauphase als tech­ni­scher Berater zur Seite.

Im nächsten Beitrag: Planung und Bau unter beson­deren Bedin­gungen

Mit der Grund­stein­le­gung im September 2025 erreicht das Projekt einen wich­tigen Meilen­stein. Im nächsten Beitrag werfen wir einen Blick auf die anschlie­ßende Bauphase. Im Fokus stehen die Planungen der beson­ders sensi­blen Labor­be­reiche der Sicher­heits­stufe 3, in denen die Fach­leute auch mit human­pa­tho­genen Erre­gern arbeiten. Außerdem geben wir Einblicke in die Anfor­de­rungen an die Hygie­ne­zonen und in unsere Rolle bei der Koor­di­na­tion zwischen Bauherrn und Gene­ral­über­nehmer.

Projekt­bei­spiele der rheform-Gruppe für eine inte­grale Vergabe

Visua­li­sie­rungen

MHB Archi­tekten + Inge­nieure

Rosa-Luxem­burg-Str. 4

18055 Rostock

Der künf­tige Sitz des HIOH in Greifs­wald

Helm­holtz-Institut für One Health (HIOH)

Felix-Haus­dorff-Straße 7

17489 Greifs­wald

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