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Mehr Geld, mehr Verant­wor­tung

Was die Bund-Länder-Verein­ba­rung für Hoch­schulen bedeutet

Bund-Laender-Vereinbarung: Mehr Geld und mehr Verantwortung bei der Sanierung von Hochschulen

Erschienen in Wissen­schafts­ma­nag­ment, Juni 2026

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Portrait von Joachim Heintze, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter rheform GmbH.

Dipl.-Ing. Joachim Heintze ist Gründer und geschäfts­füh­render Gesell­schafter der rheform GmbH und ihrer Toch­ter­ge­sell­schaften. Er begleitet Hoch­schulen und öffent­liche Einrich­tungen bei komplexen Struktur‑, Raum- und Bauvor­haben.

Portrait von Prof. Dr. Guido Benzler, geschäftsführender Gesellschafter rheform GmbH.

Prof. Dr. rer. oec. Guido Benzler ist geschäfts­füh­render Gesell­schafter der rheform GmbH und ihrer Toch­ter­ge­sell­schaften. Er begleitet Hoch­schulen und wissen­schaft­liche Einrich­tungen in Fragen der Struk­tur­ent­wick­lung, Gover­nance und stra­te­gi­schen Steue­rung.

Die im Februar 2026 verkün­dete Bund-Länder-Verein­ba­rung zur Sanie­rung von Hoch­schulen schafft weitere Möglich­keiten für Moder­ni­sie­rungen und drin­gend notwen­dige Inves­ti­tionen. Der dafür genannte Inves­ti­ti­ons­be­darf bewegt sich nach Angaben aus der Wissen­schafts­po­litik in einer Größen­ord­nung von mehr als 100 Milli­arden Euro. Zwischen 2026 und 2029 stehen den Ländern nun jähr­lich bis zu einer Milli­arde Euro für Bau, Sanie­rung und Moder­ni­sie­rung von Wissen­schafts­in­fra­struk­turen und Kitas zur Verfü­gung.

Bei der Bekannt­gabe begrüßte die Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz die Verein­ba­rung als wich­tiges Signal, verwies aber zugleich darauf, dass der Sanie­rungs­be­darf an den Hoch­schulen weit größer sei und die Mittel deshalb nur ein erster Schritt sein könnten.

Der Wissen­schaftsrat ordnete die Entschei­dung als rich­tiges Instru­ment ein, mahnte aber eine stra­te­gi­sche, lang­fristig ange­legte Inves­ti­ti­ons­po­litik an, die nicht nur einzelne Gebäude, sondern die Leis­tungs­fä­hig­keit des gesamten Wissen­schafts­sys­tems im Blick behält.

Kriti­scher äußerte sich die Gewerk­schaft Erzie­hung und Wissen­schaft (GEW), die ange­sichts des enormen Inves­ti­ti­ons­staus bezwei­felte, dass die verein­barten Mittel ausrei­chen, um die struk­tu­rellen Probleme der Hoch­schulen spürbar zu lösen.

Vor diesem Hinter­grund rückt eine zentrale Frage in den Blick:

Wie lassen sich die zusätz­li­chen, aber bei weitem nicht ausrei­chenden Mittel so einsetzen, dass sie auf konkrete Entwick­lungs­stra­te­gien treffen?

Dabei kommt es zunächst auf eine Klärung inner­halb der Hoch­schulen selbst an:

  • Welche inhalt­liche Entwick­lung soll in den kommenden Jahren voran­ge­trieben werden?
  • Welche Rolle spielen neue Arbeits­formen, Shared Infra­struc­ture und verän­derte Lehr­for­mate?
  • Welche Anfor­de­rungen ergeben sich daraus für Räume und Gebäude?

Sind diese Fragen beant­wortet, lassen sich Maßnahmen präzise defi­nieren und prio­ri­sieren. Voraus­set­zung ist ein belast­bares Ziel­bild, das stra­te­gi­sche Über­le­gungen mit räum­li­chen und bauli­chen Entschei­dungen verbindet. Die eigent­liche Heraus­for­de­rung liegt damit nicht allein in der Vertei­lung der Mittel, sondern viel­mehr in der Qualität der Vorbe­rei­tung.

Das Bera­tungs­un­ter­nehmen rheform, das Hoch­schulen bei Entwick­lungs- und Baupro­jekten begleitet, verweist in diesem Zusam­men­hang auf einen zentralen, oft unter­schätzten Punkt:

Mehr Geld allein löst keinen Sanie­rungs­stau. Viel­mehr geht es um die Frage, wer Verant­wor­tung für ein Vorhaben über­nimmt und auf welcher Grund­lage Entschei­dungen getroffen werden.

Hoch­schulbau ist nach Ansicht der beiden rheform-Geschäfts­führer Prof. Guido Benzler und Joachim Heintze kein rein tech­ni­scher Vorgang, sondern ein Aushand­lungs­pro­zess zwischen unter­schied­li­chen Anfor­de­rungen und begrenzten Ressourcen: zwischen Neubau und Bestand, zwischen funk­tio­nalen, wirt­schaft­li­chen und nach­hal­tigen Ziel­set­zungen sowie zwischen den Perspek­tiven von Menschen in unter­schied­li­chen Rollen, wie Investor, Nutzer, Betreiber, Eigen­tümer, Bauherr, Planer und Behörden.

Eine wich­tige Rolle weisen die rheform-Berater dabei einer ziel­ori­en­tierten Bedarfs­pla­nung zu. Sie klärt, was eine Hoch­schule tatsäch­lich benö­tigt und wofür. Sie verbindet struk­tu­relle Entwick­lung mit Raum­stra­tegie und schafft eine belast­bare Grund­lage für Standort- und Projekt­ent­schei­dungen.

Nach Auffas­sung von Benzler und Heintze setzt dieser Projekt­an­satz eine parti­zi­pa­tive Vorge­hens­weise voraus. „Die zentralen Fragen werden vor dem Bauen entschieden: bei der Profil­bil­dung, bei den Prio­ri­täten und in der Orga­ni­sa­tion. Der Raum folgt diesen Entschei­dungen“, sagt Guido Benzler. Das heißt: Wer in den Gebäuden arbeitet, sollte in diesen Prozess einge­bunden sein und Verant­wor­tung für konzep­tio­nelle Entschei­dungen über­nehmen. Das kann, muss aber nicht zwin­gend über die formale Bauher­ren­rolle erfolgen. Maßgeb­lich ist viel­mehr, dass Hoch­schulen ihre finan­zi­ellen Spiel­räume kennen und in diesem Rahmen Prio­ri­täten setzen, Profile schärfen und trag­fä­hige Kompro­misse entwi­ckeln. Auf dieser Grund­lage lässt sich inner­halb eines Budgets ein Maximum an Qualität und Quan­tität errei­chen. So entstehen Gebäude und Räume, die funk­tio­nieren, denn, so Joachim Heintze: „Ein nicht funk­tio­nie­render Hoch­schulbau ist nicht nach­haltig. Er ist teuer und über­flüssig.“

Sanie­rung ist damit mehr als Instand­set­zung. Sie greift in die zukünf­tigen Arbeits‑, Lehr- und Forschungs­um­ge­bungen ein. Die Bund-Länder-Verein­ba­rung kann hierfür einen wich­tigen Impuls setzen, wenn es gelingt, die notwen­digen Klärungs­pro­zesse früh­zeitig und verbind­lich zu orga­ni­sieren.

Wie sich diese Aufgabe prak­tisch lösen lässt, zeigen Projekte, die die rheform in den vergan­genen Jahren mit Hoch­schulen reali­siert hat:

An der Univer­sität Witten/​Herdecke entstand im Zuge einer Campuser­wei­te­rung ein Neubau auf Grund­lage einer ziel­ori­en­tierten Bedarfs­pla­nung, die Anfor­de­rungen aus Lehre, Forschung und Betrieb in ein schlüs­siges Funk­tions- und Raum­pro­gramm über­führte.  Ausgangs­punkt war ein inten­siver Betei­li­gungs­pro­zess mit allen Wissens- und Entscheidungsträger:innen, in dem Ziel­kon­flikte früh abge­stimmt und ein belast­bares Anfor­de­rungs­profil entwi­ckelt wurde. Auf dieser Grund­lage konnte das Vorhaben im vorge­ge­benen Budget­rahmen umge­setzt und zum Winter­se­mester 2021/22 in Betrieb genommen werden.

Bei der Moder­ni­sie­rung des Haupt­ge­bäudes der Evan­ge­li­schen Hoch­schule Frei­burg stand zunächst die Frage im Vorder­grund, wie sich aus dem Bestand heraus ein funk­tio­nales und flächen­ef­fi­zi­entes Gesamt­kon­zept entwi­ckeln lässt, obwohl stei­gende Studie­renden- und Perso­nal­zahlen zusätz­li­chen Raum­be­darf erzeugten. Aus Kosten- und Nach­hal­tig­keits­gründen war ein spar­samer Umgang mit Fläche vorge­geben. Ausgangs­punkt war daher nicht das Gebäude selbst. Es waren viel­mehr die Arbeits­weisen und Anfor­de­rungen der Nutzer:innen. In einem inten­siven Betei­li­gungs­pro­zess wuchs im Rahmen der Bedarfs­pla­nung deren Verständnis für Flächen, Räume und Gebäu­de­struk­turen. Zugleich stieg ihre Bereit­schaft, flächen­ef­fi­zi­ente Lösungen zu akzep­tieren und mit zu entwi­ckeln. Der Nutz­wert der vorhan­denen Fläche ließ sich so deut­lich stei­gern.

Über eine inte­grale Projekt­ent­wick­lung und eine Vergabe nach der „Design-to-Cost-Methode“ konnte die Sanie­rung inner­halb des Budgets und früher als geplant abge­schlossen werden. Ausgangs­punkt für den Neubau an der Fern­Uni­ver­sität in Hagen war eine struk­tu­relle Entschei­dung: die Ausgrün­dung einer eigen­stän­digen Fakultät für Psycho­logie. Auf dieser Grund­lage zeigt das Beispiel, wie sich mit einer fundierten Projekt­ent­wick­lung auf Basis einer Hoch­schul-Stand­ort­ent­wick­lungs­pla­nung auch unter hohem Zeit­druck und vola­tilen Baukosten verläss­lich planen und umsetzen lässt.

Zentral für dieses Vorhaben war auch hier ein früh­zeitig abge­stimmtes Funk­tions- und Raum­pro­gramm, das Planung und Vergabe verbind­lich struk­tu­rierte. Dadurch konnten Anfor­de­rungen, Kosten und Quali­täten bereits vor Beginn der Umset­zung präzise defi­niert und im weiteren Projekt­ver­lauf stabil gehalten werden. Trotz eines sehr engen Zeit­fens­ters und erheb­li­cher Baupreis­stei­ge­rungen wurde das Vorhaben im vorge­se­henen Rahmen reali­siert. Für den Preis von rund 20 Millionen Euro stehen Forschenden, Lehrenden und Studie­renden in dem Neubau für die Fakultät Psycho­logie auf etwa 2.700 Quadrat­me­tern flexibel nutz­bare Büro­flä­chen, Labore, offene Begeg­nungs­räume sowie zum Teil auch hoch­schul­weit nutz­bare Seminar- und Konfe­renz­räume zur Verfü­gung.

Alle drei Projekte wurden nach aner­kannten Nach­hal­tig­keits­stan­dards zerti­fi­ziert. Sie zeigen, dass sich funk­tio­nale, wirt­schaft­liche und ressour­cen­scho­nende Lösungen mitein­ander verein­baren lassen, wenn die zentralen Entschei­dungen früh geklärt werden.

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