Zeigt das Portal der Goethe-Universität Frankfurt am Main, über deren Forschungsprofilbildungs-Prozess Guido Benzler und Lars Winter auf der FORTRAMA 2026 einen Vortrag hielten.

Profil­bil­dung als Steue­rungs­in­stru­ment: Einblicke in die Forschungs­stra­tegie der Goethe-Univer­sität Frank­furt am Main

Vortrag auf der FORT­RAMA-Jahres­ta­gung 2026

Auf der FORT­RAMA-Jahres­ta­gung 2026 stellten Guido Benzler, geschäfts­füh­render Gesell­schafter der rheform GmbH, und Lars Winter, Leitung Stra­te­gi­sche Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung der Goethe-Univer­sität Frank­furt am Main, einen Stra­te­gie­pro­zess zur Schär­fung des Forschungs­pro­fils der Goethe-Univer­sität vor.

Im Mittel­punkt stand die Frage, wie wissen­schaft­liche Stärken so gebün­delt werden können, dass sie stra­te­gisch steu­erbar werden und zugleich in Förder­lo­giken, Koope­ra­ti­ons­struk­turen und die Exzel­lenz­ent­wick­lung einzahlen.

Die FORT­RAMA-Jahres­ta­gung gilt als wich­tiges Austausch­format für Forschungs- und Transfermanager:innen im deutsch­spra­chigen Raum. rheform war 2026 zum dritten Mal vertreten.

Ausgangs­lage und Projekt­auf­takt: Bench­mar­king und Kontext­ana­lyse

Der Prozess zur Kontu­rie­rung des Forschungs­pro­fils der Goethe-Univer­sität begann 2019. Ziel war es, wissen­schaft­liche Schwer­punkte zu clus­tern und die Forschung der Goethe-Univer­sität so nach­haltig zu stärken, dass sie bis 2030 zu den führenden Univer­si­täten Deutsch­lands zählt.

Die Profil­be­reiche zielten jedoch nicht allein auf eine stär­kere Posi­tio­nie­rung nach außen. Auch inner­halb der Univer­sität sollten sie Wirkung entfalten, indem sie Schnitt­stellen zwischen den Forschungs­fel­dern sicht­barer machen und so die inter­dis­zi­pli­näre Wissen­schafts­ar­beit fördern.

In enger Abstim­mung mit dem Präsi­dium entwi­ckelte die rheform – Entwick­lungs­Ma­nage­ment GmbH hierfür ein mehr­stu­figes Verfahren, das mit einem daten­ba­sierten Bench­mar­king-Prozess begann. Im Fokus der Analyse standen zentrale Frage­stel­lungen wie beispiels­weise:

  • Wie posi­tio­niert sich die Goethe-Univer­sität im Vergleich zu ihrer Peer Group in Bezug auf Dritt­mittel, Publi­ka­tionen und Förder­for­mate?
  • Welche wissen­schafts­po­li­ti­schen Rahmen­be­din­gungen und Förder­lo­giken prägen die natio­nale und inter­na­tio­nale Forschungs­land­schaft aktuell und perspek­ti­visch?

Als Refe­renz­rahmen dienten die deut­schen U15-Univer­si­täten, eine Gruppe forschungs­starker und tradi­ti­ons­rei­cher Univer­si­täten in Deutsch­land. Die Grund­lage bildeten quan­ti­ta­tive Indi­ka­toren der Forschungs­leis­tung: Kenn­zahlen zu Verbund­for­schung und bestehenden Koope­ra­ti­ons­struk­turen sowie Publi­ka­tions- und Zita­ti­ons­daten (Biblio­me­trie).

Parti­zi­pa­tiver Ansatz: Work­shops als Entwick­lungs­grund­lage der Profil­be­reiche

Nach der ersten Analy­se­phase folgten zwei Work­shops, in denen die rheform-Berater:innen gemeinsam mit den Wissenschaftler:innen der Goethe-Univer­sität Schwer­punkte und Themen­be­reiche der Forschung heraus­ar­bei­teten.

Work­shop: “Markt der Ideen”

Der erste Work­shop war als offenes Format ange­legt. Über 50 Professor:innen aus allen Fach­be­rei­chen der Goethe-Univer­sität iden­ti­fi­zierten gemeinsam zentrale Forschungs­themen und entwi­ckelten erste Konturen mögli­cher Profil­be­reiche. Dabei zeigte sich früh, dass sich nicht alle Forschungs­ak­ti­vi­täten eindeutig in die neue Profil­struktur einordnen lassen. Umso wich­tiger war es, die Ziele, Krite­rien und Grenzen des Prozesses trans­pa­rent zu kommu­ni­zieren.

Work­shop: “Forschungs­platt­formen”

Im zweiten Work­shop setzte die Goethe-Univer­sität zusätz­lich auf eine Perspek­tive von außen: Das Projekt­team führte im Vorfeld Inter­views mit externen Frank­furter Forschungs­part­nern. Ihre Sicht auf das Forschungs­profil der Univer­sität und Ideen zu Koope­ra­ti­ons­mög­lich­keiten wurden bei der Schär­fung der Profil­felder berück­sich­tigt.

Metho­disch arbei­teten die Teil­neh­menden des zweiten Work­shops in wech­selnden Rollen – als „Träumer“, „Realist“ und „Kritiker“. Mit diesem multi­per­spek­ti­vi­schen Ansatz entwi­ckelten sie zunächst eine krea­tive Vision zukünf­tiger Forschungs­schwer­punkte. Diese stellten sie anschlie­ßend in den Kontext der bestehenden Forschungs­struktur, univer­si­tären Infra­struktur und einer realis­ti­schen Entwick­lungs­per­spek­tive. So wurden die im ersten Work­shop iden­ti­fi­zierten Poten­zi­al­felder weiter konkre­ti­siert.

Das Ergebnis: Sechs Profil­be­reiche und ein konti­nu­ier­li­ches Moni­to­ring

Am Ende des Prozesses standen sechs Profil­be­reiche, die seither als Refe­renz­rahmen für stra­te­gi­sche Entschei­dungen in der Forschung dienen. Sie bündeln thema­ti­sche Schwer­punkte, schaffen Orien­tie­rung für Koope­ra­tionen und bilden eine Grund­lage für die Einord­nung von Forschungs­schwer­punkten und Poten­zi­al­fel­dern.

Damit die Forschungs­felder sich auch in Zukunft am tatsäch­li­chen Forschungs­profil der Univer­sität orien­tieren, müssen die Profil­be­reiche in regel­mä­ßigen Abständen neu bewertet werden.

Auf der FORT­RAMA warfen Guido Benzler und Lars Winter sieben Jahre nach Prozess­be­ginn erneut einen Blick auf die zentralen Kenn­zahlen. Ihr Fazit: Die Auswer­tung zeigt: Die Goethe-Univer­sität konnte ihre Posi­tion in zentralen Leis­tungs­in­di­ka­toren stabi­li­sieren oder verbes­sern.

Erfolgs­fak­toren und Erkennt­nisse der Profil­bil­dung an der Goethe-Univer­sität Frank­furt am Main

Die Diskus­sion im Anschluss an den gut besuchten Vortrag machte deut­lich, dass viele Hoch­schulen vor vergleich­baren Aufgaben stehen. Im Mittel­punkt standen dabei die Frage nach der Daten­grund­lage sowie Gover­nance-Themen.

Der Ansatz der Goethe-Univer­sität veran­schau­lichte, dass eine syste­ma­ti­sche Analyse der eigenen Posi­tion im Wissen­schafts­system die Voraus­set­zung für belast­bare stra­te­gi­sche Entschei­dungen ist.

Guido Benzler formu­lierte es so: „Man muss erst wissen, wo man steht, bevor man sinn­voll fest­legen kann, wohin man sich entwi­ckeln möchte.“ Als weitere Erfolgs­fak­toren nannte er die enge Einbin­dung der Hoch­schul­lei­tung, ein offenes Diskus­si­ons­klima sowie ein klar formu­liertes, über­prüf­bares Ziel­bild.

Der Stra­te­gie­pro­zess der Goethe-Univer­sität hat aus seiner Sicht gezeigt, dass eine syste­ma­ti­sche Profil­bil­dung – kombi­niert mit einem konti­nu­ier­li­chen Moni­to­ring – die Wett­be­werbs­fä­hig­keit einer Univer­sität lang­fristig stärken kann.

Header­bild: Uwe Dettmar, Goethe-Univer­sität Frank­furt

Daten­vi­sua­li­sie­rungen: rheform Data Lab

Profil­be­reich-Skizze: Goethe-Univer­sität Frank­furt

Weitere Infor­ma­tionen: Profi­lie­rung in der Viel­falt | Aktu­elles aus der Goethe-Univer­sität Frank­furt

Nach­be­richt zur FORT­RAMA 2024: FORT­RAMA 2024 – rheform