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Infor­ma­tio­nen zur Aus­schrei­bung

Von Stu­die­ren­den für Stu­die­rende

Inter­view zum Cam­pus³-Preis für die Hoch­schul­ar­chi­tek­tur der Zukunft

Die rhe­form – Ent­wick­lungs­Ma­nage­ment GmbH ver­gibt im Dezem­ber 2020 zum ers­ten Mal gemein­sam mit der Archi­tek­tur­fach­zeit­schrift Bau­welt und dem Deut­schen Hoch­schul­ver­band (DHV) den Cam­pus³-Preis für die visio­näre bau­li­che Wei­ter­ent­wick­lung von Hoch­schu­len. Aus­ge­zeich­net wer­den Kon­zepte, die vor­bild­lich zei­gen, wie gute, fle­xi­bel nutz­bare Archi­tek­tur in Zukunft das For­schen, Leh­ren und Ler­nen an Hoch­schu­len vor­an­brin­gen kann.

Joa­chim Heintze ist Geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter und Grün­der der rhe­form GmbH. Im Inter­view erläu­tert er, warum Arbei­ten auf die­sem Gebiet wich­tig sind, wel­che Kri­te­rien bei der Preis­ver­gabe eine Rolle spie­len und wel­che Vision er per­sön­lich von der Hoch­schule der Zukunft hat.

Was möch­ten Sie mit dem Preis errei­chen?

Uns geht es vor allem darum, Impulse für die Arbeits- und Lern­wel­ten der Zukunft zu set­zen, in denen die Bedürf­nisse von Men­schen und Orga­ni­sa­tio­nen im Zen­trum ste­hen.

Bis heute lau­tet der Glau­bens­grund­satz moder­ner Archi­tek­tur „form fol­lows func­tion“. Die Beschrei­bung der Funk­tion – was eine wich­tige Vor­ar­beit ist! – kommt dabei jedoch häu­fig zu kurz. Wie aber soll die Form der Funk­tion fol­gen, wenn die Funk­tion nicht umfas­send geklärt ist? Wir haben in unse­rem Bera­tungs­all­tag die Erfah­rung gemacht, dass ein voll­stän­di­ges, gut abge­stimm­tes Funk­ti­ons­pro­gramm die Vor­aus­set­zung für erfolg­rei­che Umstruk­tu­rie­run­gen und Bau­maß­nah­men ist. Im Wesent­li­chen zielt die­ses Vor­ge­hen auf die Beant­wor­tung der Frage: Wie muss ein Gebäude kon­zi­piert sein, damit eine Orga­ni­sa­tion oder Insti­tu­tion ihre Ziele best­mög­lich erreicht?

Funk­ti­ons­pro­gramm als Erfolgs­fak­tor

Zu die­sem Zweck muss man erst ein­mal die Arbeits­wei­sen und Pro­zesse ken­nen, also wis­sen, wie und mit wel­cher Tech­no­lo­gie die Men­schen die­ser Orga­ni­sa­tion ihre Ziele errei­chen und wel­che For­men des Zusam­men­ar­bei­tens und der Kom­mu­ni­ka­tion dafür aktu­ell exis­tie­ren. Ist der Sta­tus quo geklärt, wird es noch ein­mal inter­es­sant, denn dann gilt es in einem nächs­ten Schritt, den Blick in die Zukunft zu rich­ten und zu über­le­gen, wie sich diese Arbeits­wei­sen und Pro­zesse wei­ter ent­wi­ckeln könn­ten – ange­sichts des dra­ma­ti­schen tech­no­lo­gi­schen Wan­dels, den wir gerade alle durch­le­ben. Schließ­lich will und kann man sich nicht alle paar Jahre räum­lich ver­än­dern.

Die Suche nach Ant­wor­ten auf diese Fra­gen finde ich immer wie­der aufs Neue hoch­span­nend, denn im Zuge der weit­rei­chen­den Trans­for­ma­tion gibt es in vie­len Berei­chen keine ver­bind­li­chen Aus­sa­gen in Hin­blick auf die Zukunft, doch über­all sind die Ver­ant­wort­li­chen dazu auf­ge­for­dert, per­spek­ti­visch zu han­deln.

Mit dem Preis möch­ten wir Stu­die­rende der bau­fach­li­chen Dis­zi­pli­nen für diese Fra­gen sen­si­bi­li­sie­ren, sie zum Nach­den­ken und Dis­ku­tie­ren brin­gen und eine krea­tive Aus­ein­an­der­set­zung mit einem äußerst rele­van­ten Thema in Gang set­zen.

Warum bie­ten sich gerade Wis­sen­schafts­bau­ten für eine visio­näre Betrach­tung an?

Die Wis­sen­schaf­ten waren selbst immer schon Vor­rei­ter, Nut­zer und Trei­ber von Ent­wick­lun­gen. Des­halb ver­än­dern sich im Zuge der viel­fäl­ti­gen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zesse auch die funk­tio­na­len Anfor­de­run­gen an den Raum äußerst dyna­misch. Fle­xi­bi­li­tät ist also das Gebot der Stunde, mit allen Kon­se­quen­zen für den Hoch­schul­bau, der vor die­sem Hin­ter­grund vor ganz beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen steht. So soll sich der Lebens­zy­klus eines Gebäu­des über 50 Jahre erstre­cken, doch allein auf die Frage, wie Men­schen in zehn Jah­ren an Hoch­schu­len for­schen, leh­ren und ler­nen, gibt es nur vage Ant­wor­ten. Die Digi­ta­li­sie­rung, neue Mate­ria­lien und Medien, agile Arbeits­me­tho­den und zuneh­mend mehr Teil­neh­mer und Tempo in der glo­ba­len Wis­sen­schafts­welt beein­flus­sen schließ­lich auch die Anfor­de­run­gen an Räume, in denen Men­schen Wis­sen gene­rie­ren und aus­tau­schen.

Ein Muss: fle­xi­ble Lösun­gen

Ich begreife es als eine Auf­gabe der bau­fach­li­chen Dis­zi­pli­nen, auf die­sem Gebiet Sze­na­rien poten­zi­el­ler Ent­wick­lun­gen auf­zu­stel­len, dafür eine Viel­falt an fle­xi­blen Lösun­gen zu erar­bei­ten und diese nut­zer- und bedarfs­ge­recht ein­zu­set­zen. Mehr denn je sind Wis­sen­schafts­bau­ten auf visio­näre Lösun­gen ange­wie­sen, in denen der Raum den sich ver­än­dern­den funk­tio­na­len Anfor­de­run­gen gerecht wird – nicht nur aktu­ell, son­dern auch per­spek­ti­visch. Dabei muss man sich über eines im Kla­ren sein: Nie­mand von uns kann ver­läss­li­che Pro­gno­sen erstel­len oder ver­bind­li­che Garan­tien dafür abge­ben, wohin die Reise geht. Aus die­sem Grund ist Fle­xi­bi­li­tät gerade in der Hoch­schul­ar­chi­tek­tur eine ele­men­tare Grund­lage, denn wir müs­sen immer damit rech­nen, dass es anders kommt, als man denkt.

Wofür steht die Drei im „Cam­pus³-Preis“?

Als wir im Vor­feld über das Pro­fil des Prei­ses nach­dach­ten, fie­len uns ver­schie­dene „Drei­klänge“ auf, die sich regel­recht als Namens­er­gän­zung auf­dräng­ten.

Zunächst ein­mal geht es bei dem Preis darum, dass sich die Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber mit rea­len und nicht mit vir­tu­el­len Räu­men beschäf­ti­gen, wenn­gleich die neuen vir­tu­el­len Räume ver­mehrt Ein­fluss auf Archi­tek­tur und Städ­te­bau haben. Den­noch fin­det Archi­tek­tur vor­ran­gig im Raum statt und Raum ist drei­di­men­sio­nal.

Denkt man den Raum­be­griff wei­ter, so stößt man auf die drei Maß­stäbe der räum­li­chen Betrach­tung: Städ­te­bau, Archi­tek­tur und Innen­ar­chi­tek­tur. Diese Räume müs­sen gestal­tet wer­den. Dar­aus ergibt sich der nächste Drei­klang, näm­lich Vision, Funk­tion und Raum. Zunächst braucht es näm­lich eine Vision für die Auf­gabe, dann eine solide Aus­ar­bei­tung der funk­tio­na­len Anfor­de­run­gen und schließ­lich die Gestal­tung des Raums, der die­ses Funk­ti­ons­pro­gramm bau­lich umsetzt.

Wel­che Kri­te­rien gehen vor allem in die Bewer­tung ein?

Was uns vor allem inter­es­siert, ist eine über­zeu­gende Vision davon, wie For­schen, Leh­ren und Ler­nen nach Ansicht der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer in der Zukunft aus­se­hen kann. Das Kon­zept sollte dar­auf auf­bau­end schlüs­sige Ant­wor­ten auf die Frage lie­fern, wie sich diese Sze­na­rien auf den Aspekt der Funk­tion aus­wir­ken, also wie For­schen, Leh­ren und Ler­nen in der Zukunft „funk­tio­niert“ und mit wel­cher Gestal­tung es gelingt, räum­lich dafür best­mög­li­che Lösun­gen anzu­bie­ten – heute und in Zukunft.

Was macht den Preis beson­ders?

Was den Preis beson­ders her­vor­hebt, ist die Bühne, die unser Part­ner, das Archi­tek­tur­fach­ma­ga­zin Bau­welt, den Gewin­nern bie­tet. Die Preis­ver­lei­hung fin­det im Rah­men des Bau­welt­kon­gres­ses am 4. Dezem­ber 2020 in Ber­lin statt. Diese Ver­an­stal­tung zählt zu den wich­ti­gen Kon­gres­sen für Archi­tek­ten. Das Sie­ger­kon­zept wird außer­dem im Rah­men eines Nach­be­richts in einer der dar­auf­fol­gen­den Bau­welt-Aus­ga­ben vor­ge­stellt. Auf diese Weise errei­chen die Best­plat­zier­ten ein gro­ßes Fach­pu­bli­kum, was für Stu­die­rende auf dem Weg in den Berufs­ein­stieg sicher eine inter­es­sante Chance ist.

Wel­che Vision haben Sie per­sön­lich von der Hoch­schule der Zukunft?

Ich stelle mir Hoch­schu­len als kraft­volle Begeg­nungs­orte vor, wo es für Men­schen und Tech­no­lo­gien die best­mög­li­chen Vor­aus­set­zun­gen gibt, um unsere Kul­tur zu bewah­ren und die Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit und Zukunft zu lösen. Diese Idee ver­binde ich mit dem berech­tig­ten Anspruch auf Nach­hal­tig­keit, denn es darf nicht sein, dass Räume und Gebäude nur auf aktu­elle Anfor­de­run­gen hin geplant wer­den und nach weni­gen Jah­ren nicht mehr funk­tio­nie­ren.

Ich glaube nicht, dass wir jemals auf die direkte Inter­ak­tion und das per­sön­li­che Rin­gen um die bes­ten Lösun­gen für Pro­bleme ver­zich­ten kön­nen. Der Blick in die Geschichte zeigt: Jede Zeit hatte ihre Orte und ihre Räume, die Men­schen dazu inspi­rier­ten, Gedan­ken zu ent­wi­ckeln und mit ande­ren zu tei­len. Bei allem Wan­del: Was bleibt, sind die mensch­li­chen Bedürf­nisse, das soziale Mit­ein­an­der, der Dia­log, der Aus­tausch, der Dis­kurs – und Kom­mu­ni­ka­tion ist die Grund­lage der Inno­va­tion. Das müs­sen Räume aller Maß­stäbe för­dern.

Dipl. Ing. Joa­chim Heintze ist Grün­der und Geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter der rhe­form GmbH. Seit 1995 ist er im Bereich Hoch­schul­bau und für staat­li­che Insti­tu­tio­nen tätig.

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