Luftaufnahme des Schulcampus Süd in Lehrte mit den neuen Schulgebäuden für IGS und Realschule. Das von rheform im Rahmen der PPP-Beratung und des Bauprojektmanagements begleitete Schulbauprojekt zählt zu den größten Schulneubauten der Region.

Zwei Schulen unter einem Dach

PPP-Bera­tung und Baupro­jekt­ma­nage­ment für den „Schul­campus Süd“ in Lehrte

Mit fast 21.000 Quadrat­me­tern Nutzungs­fläche, Platz für 1800 Schüler:innen und ca. 100 Millionen Euro Baukosten entsteht im Groß­raum Hannover ein Schul­neubau von bislang außer­ge­wöhn­li­cher Größen­ord­nung. Auf dem „Schul­campus Süd“ führt die Stadt Lehrte zwei Schulen an einem gemein­samen Standort zusammen: Die Inte­grierte Gesamt­schule (IGS) und die Real­schule teilen sich hier zukünftig Flächen und Klas­sen­zimmer, die nach Bedarf verteilt und genutzt werden.

Die rheform – Immo­bi­li­en­Ma­nage­ment GmbH über­nimmt das Baupro­jekt­ma­nage­ment für den Neubau, der im Rahmen einer Public-Private-Part­ner­ship (PPP) umge­setzt wird. Dazu gehören die Erstel­lung einer funk­tio­nalen Leis­tungs­be­schrei­bung, das Verga­be­ma­nage­ment und ein baube­glei­tendes Control­ling.

Im August 2026 wurde rund zwei Jahre nach dem Spaten­stich der erste Bauab­schnitt eröffnet. Teil davon sind die Gebäude der Real­schule und IGS Sekun­dar­stufe I, die Mensa und Schul­ver­wal­tungs­räume, das Veran­stal­tungs­forum für bis zu 1100 Menschen sowie einige Außen­an­lagen.

Die neue Aula bot den Rahmen für die Eröff­nungs­feier mit rund 500 Gästen aus den am Projekt betei­ligten Insti­tu­tionen. Schul­lei­terin Mara Gerrits (IGS) und Schul­leiter Markus Böhm (Real­schule) nahmen symbo­lisch den Schlüssel für ihr neues Schul­ge­bäude entgegen.

Von der Bedarfs­ana­lyse zur PPP-Vergabe: So entstand das Konzept für den Schul­campus Süd

Die Entschei­dung für einen Neubau fiel 2018. Sowohl für die Gebäude der IGS als auch die der Real­schule bestand lang­fristig erheb­li­cher Sanie­rungs- und Moder­ni­sie­rungs­be­darf. Hinzu kamen verän­derte demo­gra­fi­sche Rahmen­be­din­gungen in der Region. Eine Prognose zeigte, dass für die Real­schule in Zukunft tenden­ziell weniger Schüler:innen erwartet werden, während es an der IGS mehr werden. Die Lösung ist ein Grund­riss, der flexibel auf eine geän­derte Zahl an Schüler:innen reagieren kann. Auf dem Schul­campus Süd kann jahr­gangs­weise entschieden werden, wie viele Schul­züge den jewei­ligen Schul­formen zuge­wiesen werden.

Da die Stadt den Neubau selbst finan­ziert, hatten Termin- und Kosten­si­cher­heit hohe Prio­rität. Eine Analyse der rheform zeigte, dass Planung, Bau, Finan­zie­rung und Betrieb durch einen privaten Partner lang­fristig güns­tiger sind als die klas­si­sche Vergabe einzelner Bauleis­tungen. Deshalb entschied sich die Stadt früh im Verfahren für die PPP-Vergabe an einen Total­über­nehmer.

Der Total­über­nehmer wird nach der Eröff­nung des Neubaus 20 Jahre lang für die Instand­hal­tung und das tech­ni­sche Gebäu­de­ma­nage­ment verant­wort­lich sein. Dieses Modell schafft Anreize, bei Entschei­dungen im Baupro­zess den gesamten Gebäu­de­le­bens­zy­klus mitzu­denken. So wird der Einsatz wartungs­armer Mate­ria­lien und ener­gie­ef­fi­zi­enter Technik begüns­tigt.

Von der Mach­bar­keits­studie zur funk­tio­nalen Leis­tungs­be­schrei­bung: Grund­lagen für ein erfolg­rei­ches Baupro­jekt­ma­nage­ment

Vertreter:innen der Stadt und des Total­über­neh­mers veran­schau­lichten beim Richt­fest im April 2024 die Größen­ord­nung des Bauvor­ha­bens: Die Nutzungs­fläche des Campus umfasst drei Fußball­felder. Während des Baupro­zesses wurden rund 40.000 Kubik­meter Erde bewegt und die Länge der verbauten Elek­tro­kabel beläuft sich auf 250 Kilo­meter.

Die Dimen­sion des Neubaus ergibt sich aus seinem umfang­rei­chen Nutzungs­kon­zept. Neben den zwei Gebäu­de­trakten für die beiden Schulen entstehen auch eine Mensa, eine Sport­halle mit Außen­an­lagen sowie ein Park­deck. Perspek­ti­visch sollen zudem ein Fami­li­en­zen­trum mit Kita sowie eine Förder­schule der Region Hannover ange­bunden werden.

Ein Bauvor­haben dieser Komple­xität stellt hohe Anfor­de­rungen an die Planung. Entspre­chend wichtig war eine früh­zei­tige Defi­ni­tion der Nutzer­an­for­de­rungen. Dafür hat das Team der rheform – Immo­bi­li­en­Ma­nage­ment GmbH rund um Axel Müller, Malte Wagner, Michael Bollinger und Chris­tiane Hanke­witz vor Beginn des Verga­be­ver­fah­rens eine Mach­bar­keits­studie mit Wirt­schaft­lich­keits­un­ter­su­chung durch­ge­führt. In Work­shops mit verschie­denen Projekt­gruppen der einzelnen Schul­formen wurden zudem Anfor­de­rungen an Projekt­orga­ni­sa­tion, Planung, Nach­hal­tig­keit, Finan­zie­rung und Bauaus­füh­rung erar­beitet.

Die Ergeb­nisse dieser Bedarfs­pla­nung führte das Team in einer funk­tio­nalen Leis­tungs­be­schrei­bung zusammen. Dieses zentrale Doku­ment über­setzt die Anfor­de­rungen der Nutzer:innen in ein Funk­tions- und Raum­pro­gramm und berück­sich­tigt gebäu­de­über­grei­fende Anfor­de­rungen an den Betrieb. Im Verga­be­ver­fahren dient die funk­tio­nale Leis­tungs­be­schrei­bung als Planungs- und Bewer­tungs­grund­lage.

Lageplan des Schulcampus Süd in Lehrte mit den Standorten von IGS, Realschule, Grundschule, Sporthalle, Mensa und Forumsgebäude auf dem neu entstehenden Schulcampus.
Auf dem Plan wird die Größe des Schul­campus Süd deut­lich: Über 31.000 Quadrat­meter Grund­fläche wurden bebaut. 44.000 Quadrat­meter Außen­fläche ergänzen den Campus.

Verga­be­ma­nage­ment mit Mehr­wert: Von den Nutzer­an­for­de­rungen zur Schule der Zukunft

Im Verga­be­ver­fahren wurden Raum­zu­schnitte und funk­tio­nale Anfor­de­rungen in mehreren Verfah­rens­stufen weiter­ent­wi­ckelt. Der ausge­wählte Entwurf ist auf zukunfts­fä­hige Lehr- und Lern­me­thoden ausge­legt.

Neben den klas­si­schen Klas­sen­zim­mern für bis zu 30 Schüler:innen gibt es auch große „Diffe­ren­zie­rungs­räume“, in denen sowohl die Arbeit in Klein­gruppen als auch die Nutzung für beson­ders umfang­reiche Jahr­gänge möglich ist. Die Erschlie­ßungs­flä­chen und Flure bieten bewusst inte­grierte Lern- und Aufent­halts­be­reiche und ein „Maker­space“ mit 3‑D-Druckern ermög­licht projekt­ori­en­tiertes und praxis­nahes Lernen. Auch der Außen­raum ist inte­graler Bestand­teil des pädago­gi­schen Konzepts: Der Entwurf sieht grüne Klas­sen­zimmer im Freien vor und beinhaltet einen Natur­lehr­pfad mit Insek­ten­hotel und Sand­a­rium, einem künst­lich ange­legten Nist­platz für Wild­bienen.

Gemeinsam nutzen statt doppelt bauen: Nach­hal­tig­keit durch intel­li­gente Flächen­kon­zepte

Der Schul­campus Süd orien­tiert sich in seiner ener­ge­ti­schen Konzep­tion am Passiv­h­aus­stan­dard: Für die Heizung werden Wärme­pumpen genutzt. Ein begrüntes Reten­ti­ons­dach spei­chert Regen­wasser und eine Photo­vol­ta­ik­an­lage unter­stützt die Strom­ver­sor­gung. Zudem konnte das noch am besten erhal­tene Gebäude der Real­schule Jahren nach­ge­nutzt und in das neue Campus­kon­zept einge­bunden werden.

Der Schul­campus Süd ist außerdem weit­ge­hend auto­frei. Es stehen ausrei­chend Fahr­rad­stell­plätze für Schüler:innen und Beschäf­tigte zur Verfü­gung und die Bushal­te­stellen sind vom gesamten Campus aus gut erreichbar. Eine Durch­fahrts­straße gibt es nicht, der Verkehr wird an der Südstraße vorbei­ge­führt und die bishe­rigen zwei Park­plätze werden in einem zentralen Park­deck zusam­men­ge­führt.

Wesent­li­cher Nach­hal­tig­keits­faktor ist jedoch die hohe Nutzungs­fle­xi­bi­lität des Gebäudes. Alle Sonder­räume, wie Musik- und Kunst­säle, Räume für darstel­lendes Spiel, Werken und natur­wis­sen­schaft­liche Fach­räume werden von beiden Schulen gemeinsam und nach Bedarf genutzt. Das redu­ziert Doppel­struk­turen und sorgt dafür, dass die vorhan­denen Flächen über den gesamten Schultag hinweg besser ausge­lastet sind. Auch Aula, Mensa und Trep­pen­häuser werden geteilt. Gleich­zeitig behalten beide Schul­formen räum­lich ihre eigene Iden­tität: Ein über­ge­ord­netes Farb­kon­zept macht die unter­schied­li­chen Nutzungs­be­reiche sichtbar und unter­stützt die Orien­tie­rung auf dem Campus.

Gebäu­de­teile, die primär von der IGS genutzt werden, sind innen wie außen durch rote Akzente gekenn­zeichnet. Bei der Real­schule ist das Iden­ti­täts­merkmal die Farbe Grün. Sonder­räume sind primär in Gelb­tönen gehalten.

Baube­glei­tendes Control­ling als Erfolgs­faktor für Termin- und Kosten­si­cher­heit

Für das Team der rheform – Immo­bi­li­en­Ma­nage­ment GmbH war das planungs- und baube­glei­tende Control­ling ein zentraler Baustein, um den ambi­tio­nierten Zeit­plan des Projektes abzu­si­chern. Ein Blick auf die Meilen­steine macht die enge Taktung deut­lich: Mit dem Spaten­stich am 27. August 2024 begann die Umset­zung des Schul­campus Süd. Auf das Richt­fest im Jahr 2025 folgte weniger als zwei Jahre später die Eröff­nung des ersten Bauab­schnitts.

Die rheform-Berater:innen haben in regel­mä­ßigen Baube­ge­hungen den tatsäch­li­chen Baufort­schritt mit der Planung abge­gli­chen. So stellten sie sicher, dass Zeit- und Kosten­pläne sowie die Quali­täts­an­for­de­rungen einge­halten werden. Die inten­sive Vorpla­nung und konse­quente Prüfung zahlten sich im Projekt­ver­lauf aus: Bisher waren nur wenige Nach­träge nötig.

Von der Eröff­nung bis zur Fertig­stel­lung: Baube­glei­tendes Control­ling bis zum Projekt­ab­schluss

Auch nach der Eröff­nung des ersten Bauab­schnitts begleitet rheform das Projekt weiter, bis zur voll­stän­digen Fertig­stel­lung des Campus.

Die nächsten Meilen­steine stehen bereits fest:

  • Ende Juli 2026 begann der Abriss der Bestands­ge­bäude der IGS und der Real­schule.
  • Als nächster Schritt startet im Herbst 2026 der zweite Bauab­schnitt. Im Herbst 2027 sollen die Gebäude der IGS Sekun­dar­stufe II und die Drei-Feld-Sport­halle einschließ­lich Außen­an­lagen fertig­ge­stellt sein.
  • Für Ende 2027 / Anfang 2028 ist der Abriss der früheren Bert­hold-Otto-Schule geplant, die aktuell noch die IGS-Ober­stufe beher­bergt.
  • Im März 2028 wird der dritte Bauab­schnitt abge­schlossen, mit dem das geplante Park­deck und antei­lige Außen­an­lagen fertig­ge­stellt werden.
  • Mit dem vierten Bauab­schnitt wird das Campus­ge­lände Ende 2028 fertig­ge­stellt. Perspek­ti­visch soll es noch durch ein Fami­li­en­zen­trum mit Kita am Südring und die Förder­schule der Region Hannover ergänzt werden.
Drohnenaufnahme des Schulcampus Süd in Lehrte nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts. Zu sehen sind die miteinander verbundenen Schulgebäude, weitläufige Außenanlagen sowie die großflächigen Photovoltaikanlagen auf den Dächern des neuen Bildungscampus.

Fotos Bauta­ge­buch: rheform

Alle weiteren Bilder: Euro­me­dia­house

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