Raum als Werkzeug der Unternehmensentwicklung
Wie verändern sich Organisationen, wenn Büros nicht mehr bloß Orte zum Arbeiten sind? Wenn Räume den Kulturwandel fördern, entstehen Lösungen für Zusammenarbeit und Wirtschaftlichkeit.
Ein Beitrag von Kim-Florence Rust. Der Text basiert auf ihrem Vortrag „Zwischen Hype und Haltung. Wie wir Arbeitswelten schaffen, die wirken“.

Kim-Florence Rust
ist Bereichsleiterin bei der rheform – WorkplaceInnovation GmbH. Als Innenarchitektin hat sie 20 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Realisierung innovativer Arbeitswelten. Sie berät Unternehmen, Konzerne und öffentliche Auftraggeber.
Seit der Pandemie ist hybrides Arbeiten zur Normalität geworden. Home-Office, digitale Kollaboration und flexible Anwesenheitsmodelle haben den Arbeitsalltag in vielen Organisationen verändert. Doch die Raumkonzepte bilden häufig noch den Status der Präsenzkultur ab. Flächen mit Standardarbeitsplätzen dominieren, während Beschäftigte zunehmend Orte für Austausch, Zusammenarbeit und informelle Begegnung suchen. Studien belegen, dass Menschen vor allem deshalb ins Büro kommen, dort aber oft noch keine geeigneten Bedingungen vorfinden. Die Konsequenzen aus dieser Entwicklung sind unmittelbar: Sie beeinträchtigen die Produktivität, die Flächeneffizienz und die Attraktivität von Arbeitgebern.
Wer Arbeitswelten zukunftsfähig gestalten will, muss Raum, Technologie, Organisation und Kultur als ganzheitliches System betrachten. In dieser Perspektive gewinnen Gebäude und Flächen strategische Bedeutung, Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Organisationen wirtschaftlich arbeiten und Menschen ihr Potenzial entfalten können.
Wirtschaftlichkeit beginnt mit klar definiertem Bedarf
Flächen zählen in vielen Organisationen zu den größten Kostenfaktoren. Doch ihre Bedeutung bemisst sich nicht allein an den Ausgaben, sondern an dem Mehrwert, den sie bieten. Räume prägen Kultur, Zusammenarbeit und Leistungsfähigkeit. Wirtschaftlichkeit entsteht dort, wo Flächen produktives Verhalten unterstützen und Ressourcen zielgerichtet bündeln.
Seit über 20 Jahren begleitet die rheform GmbH Projekte von der Entwicklung über die Planung bis zur Realisierung und in den Betrieb. Die Beratungspraxis zeigt: Damit Arbeitswelten über die reine Gestaltung hinaus wirken, müssen die Flächen zu den Menschen, ihren Aufgaben und Arbeitsweisen sowie zu ihren Bedürfnissen passen.
Entscheidend ist daher nicht die Frage, wie viele Quadratmeter zur Verfügung stehen, sondern welchen Beitrag diese zum Erfolg der Organisation leisten. Flächen entfalten dann einen strategischen Mehrwert, wenn sie auf reale Arbeitsprozesse und Aufgaben abgestimmt sind und die Anforderungen der Nutzenden bestmöglich erfüllen. Ein zentraler Schlüssel liegt dabei in einer partizipativen Bedarfsermittlung. Sie dient nicht der pauschalen Erfüllung von Wünschen der Mitarbeitenden, sondern liefert die Grundlage für effiziente Flächenkonzepte. Genau hier liegt der Unterschied zwischen reinem Design und Steuerung: Flächen, die lediglich gestaltet oder verwaltet werden, bleiben Kostenstellen. Flächen, die auf Wirkung ausgelegt sind, werden zu Hebeln für Produktivität, Attraktivität und Wirtschaftlichkeit.

Wie groß das strategische Potenzial von Flächenkonzepten ist, zeigt ein Beispiel aus der öffentlichen Verwaltung. Beim Landratsamt Groß-Gerau wurde der ursprünglich geplante Anbau für das Finanzmanagement hinfällig, nachdem rheform im Rahmen einer Bedarfsanalyse alternative Nutzungsszenarien entwickelt hatte. Statt zusätzliche Fläche zu schaffen, wurde die vorhandene neu organisiert. Auf 400 Quadratmetern entstand in einem partizipativen Prozess mit den zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern eine Arbeitswelt mit Bereichen für Konzentration, Zusammenarbeit und vertrauliche Kommunikation. Die Entscheidung gegen den Anbau senkte die Investitionskosten und sparte im Sinne der Nachhaltigkeit Ressourcen.
Wo früher unbelebte Flure waren, herrscht jetzt ein soziales Miteinander. Wie eine spätere Umfrage ergab, stieg die Zufriedenheit der Mitarbeitenden auf der neuen Fläche. In vielfacher Hinsicht entstand eine Win-win-Situation: weniger Fläche, niedrigere Kosten, eine höhere Präsenzkultur und eine höhere Arbeitgeberattraktivität. Doch eine Flächenoptimierung für den Moment allein genügt nicht. Entscheidend ist, ob die Arbeitswelten auch auf zukünftige Anforderungen reagieren können.
Zukunft braucht Räume, die mit der Organisation wachsen
Arbeitswelten unterliegen heute einem permanenten Wandel. Teams verändern ihre Größe, Aufgaben verschieben sich, technologische Entwicklungen beschleunigen Prozesse. Raumkonzepte, die starr auf eine Nutzungsform ausgerichtet sind, stoßen unter diesen Bedingungen schnell an ihre Grenzen. Gefragt sind Flächen, die sich mit überschaubarem Aufwand an neue Anforderungen anpassen lassen und sich so als langfristig flexibel nutzbar erweisen. In der Praxis zeigt sich, dass veränderungsfähige Flächenmodelle nicht nur organisatorische Vorteile bieten, sondern unmittelbar wirtschaftlich und strategisch wirken: Wer Räume ohne größere bauliche Eingriffe weiterentwickeln kann, vermeidet kostspielige Umbaumaßnahmen und sichert Investitionen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Raum wird so zu einer Entwicklungsressource, die sich den Aufgaben anpasst und nicht umgekehrt.

Wie diese Logik in der Privatwirtschaft umgesetzt wird, zeigt das Beispiel der Siemens AG. Für das IT-Headquarter in München gestaltete rheform eine Co-Working-Fläche mit verschiedenen Raumtypen. Die „Experience Area“ entstand im Zuge einer Flächenkonsolidierung, als das Unternehmen entschied, aufgrund rückläufiger Flächenauslastung bestehende Büroflächen abzubauen. Eine der freigewordenen Flächen blieb im Bestand und wurde zu einem Experimentierfeld weiterentwickelt. Rund 600 Mitarbeitende haben Zugang zu der 900 Quadratmeter großen Pilotfläche. Statt klassischer Arbeitsplätze dominieren Zonen für Kreativität, Kollaboration und Begegnung.
Hier finden die Beschäftigten viele unterschiedliche Arbeits- und Begegnungsmöglichkeiten. Ziel war es, die Präsenz im Büro zu stärken und ein neues Verständnis von Zusammenarbeit aufzubauen – sei es hybrid oder in Präsenz. Das zeigt: Raum erfüllt heute nicht mehr nur eine Funktion, sondern übernimmt auch eine Rolle in der Entwicklung von Organisationen.
Erfolgsfaktoren für wirksame Arbeitswelten
Zukunftsfähige Arbeitswelten entstehen dort, wo Menschen gehört werden, Strukturen verbinden und Räume stärken. Was zählt, sind Haltung, Beteiligung und Flexibilität. Organisationen, die diesen Weg gehen, schaffen Arbeitswelten, die nicht nur auf die Gegenwart reagieren, sondern Zukunft ermöglichen.
rheform begleitet diesen Prozess als Partner, der wirtschaftliche Wirkung mit kultureller Wirksamkeit verbindet.

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