Hochschulmonitor User Day 2025 am Karlsruher Institut für Technologie
Gemeinsam gestalten, datenbasiert entscheiden: Impulse für die Hochschulentwicklung
Wie können Hochschulen Datenanalysen so nutzen, dass daraus belastbare Entscheidungen für Strategie, Profil und Ressourcen hervorgehen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Wissenschaftsmanager:innen aus vierzehn Hochschulen beim diesjährigen Hochschulmonitor User Day. Der Tag bot Einblicke in neue Visualisierungen des Tools, konkrete Anwendungsbeispiele aus der Praxis sowie Raum für Austausch über aktuelle Herausforderungen.
Seit vielen Jahren unterstützt das rheform Data Lab Hochschulen mit datenbasierten Analysen, Visualisierungen und Benchmarks. Einmal im Jahr lädt das Team seine Nutzerinnen und Nutzer zum persönlichen Austausch und Netzwerken an eine Partnerinstitution ein. Treffpunkt in diesem Jahr war das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Wenn Daten Orientierung geben: Strategische Entwicklungsprozesse mit dem Hochschulmonitor stützen
Dr. Julia Winter, Leiterin Stab und Strategie des KIT, eröffnete den Tag mit einem klaren Befund: „Aus Sicht des KIT ist der Hochschulmonitor eine Bereicherung für die deutsche Hochschullandschaft.“ Das KIT und rheform arbeiten seit 2014 zusammen. Viele Entscheidungsrichtungen der „Strategie KIT 2025“ entstanden auf Basis von Datenanalysen und Visualisierungen des Hochschulmonitors. Aus der Zusammenarbeit ging ein Berichtswesen hervor, womit die Hochschule bis heute die Interessensträger:innen des Strategiebereichs auf einen gemeinsamen Kenntnisstand bringt. So kann das KIT flexibel auf Herausforderungen wie Nachhaltigkeit, Transfer oder Digitalisierung reagieren, die nachträglich in die langfristig angelegte Dachstrategie integriert werden müssen.
Von dieser kontinuierlichen Weiterentwicklung an konkreten Fragestellungen profitieren auch die Tools des Hochschulmonitors. Der Dialog mit den Hochschulen ist ein wesentlicher Bestandteil. „Der Hochschulmonitor entwickelt sich mit den Bedarfen und Anforderungen seiner Nutzerinnen und Nutzer weiter“, sagte Prof. Dr. Guido Benzler, geschäftsführender Gesellschafter der rheform. Die Rückmeldungen aus den Hochschulen fließen kontinuierlich in die Tools ein. Auch die diesjährigen Use Cases haben gezeigt, dass das ein wichtiger Faktor ist, um die Qualität und den Praxisbezug des Hochschulmonitors zu sichern.

Use Case 1: Studierendenzahlen kontextualisieren und Handlungsfelder ableiten (Universität Jena)
Viele Hochschulen verzeichnen eine wandelnde Studierendenschaft inklusive rückläufiger Studierendenzahlen. Anne-Christin Detert und Dr. Marcus Hornung von der Universität Jena zeigten, wie sie mit Unterstützung des Data Labs systematisch analysiert haben, welche Faktoren dafür verantwortlich sind.
Die Vortragenden betonten dabei den Wert einer externen Perspektive: „Der Blick von außen hilft in einem solchen Prozess enorm. Eigen- und Fremdbild weichen oft voneinander ab.“ Ein für potenzielle Studierende relevantes Beispiel: Während Mieten in Jena subjektiv als hoch gelten, liegen sie im bundesweiten Vergleich eher im Mittelfeld. Diese Kontextualisierung öffnete neue Handlungsfelder im Bereich Marketing und Zielgruppenansprache.
Darüber hinaus diskutierte das rheform-Team mit dem Präsidium die Analysen und Ableitungen aus den Daten und befähigte Mitarbeitende in einem Workshop, eigenständig mit definierten Berichtsroutinen im Hochschulmonitor zu arbeiten. „Wir merken eine klare Veränderung: Projekte werden bei uns inzwischen stark datenbezogen bewertet“, sagt Detert. Insgesamt konnte aus Sicht der Universität in einem knappen Projektrahmen von wenigen Monaten ein nachhaltiger Mehrwert geschaffen werden.

Use Case 2: Studiengänge datenbasiert analysieren und weiterentwickeln (FernUniversität in Hagen)
Die FernUniversität in Hagen setzt mit Unterstützung des Hochschulmonitors und der rheform seit Jahren auf datenbasierte Steuerung. Dr. Christina Kummert, Referentin im Dezernat für Hochschulentwicklung, erläuterte, wie die FernUniversität interne Befragungsdaten, Benchmarkings des Hochschulmonitors und weitere Quellen im hochschuleigenen „Data Warehouse“ verknüpft. So entstehen fundierte Analysen zu Fragen wie:
- Welche Gründe könnten sinkende Studierendenzahlen erklären?
- Gibt es strukturelle Hürden im Studium oder in den Curricula?
- Entspricht die Studierendenschaft den angestrebten Zielgruppen?
Entscheidend sei, so Kummert, dass Daten und Fachdiskussionen eng verzahnt bleiben. Auf dieser Basis entwickelt die Hochschule Maßnahmen und passt Studienangebote an. Dieses System der datengestützten Entscheidungsfindung geht auf die jahrelange Zusammenarbeit der FernUniversität und der rheform zurück: Die gemeinsame Hochschul-Entwicklungsplanung und datengestützte Begleitung einer Fakultätsneugründung kulminierten 2022 im Neubau der Fakultät für Psychologie.
Zahlen richtig lesen: Kriterien für ein Benchmarking mit Mehrwert
In seinem Vortrag zeigte Dr. Philipp Adler, Bereichsleiter der Strategie- und Organisationsberatung wozu auch das Data Lab gehört, wie wichtig es ist, Vergleichsgruppen und Indikatoren präzise zu wählen. Sein Beispiel verdeutlichte dies eindrücklich:
Während Maschinenbau an öffentlichen Universitäten im Durchschnitt rund 1,2 Mio. Euro Drittmittel pro Professur einwirbt, liegt die Romanistik bei etwa 50.000 Euro. Ein direkter Vergleich der Disziplinen innerhalb der Hochschule ist nicht sinnvoll: „Relevante Benchmarking-Zahlen werden erst dann wertvoll, wenn die Indikatoren klar definiert und die Vergleichsgruppen sinnvoll gewählt sind“, so Adler.
Mit einem neuen Tool zur Unterstützung von Konsolidierungsprozessen stellte Adler ein Instrument vor, welches solche Unterschiede sichtbar macht. Hier werden Lehr‑, Forschungs- und Diversitätsindikatoren gebildet und prozentual mit dem Durchschnitt einer gewählten Vergleichsgruppe verglichen. So kann eine Hochschule je nach Filtereinstellung auf einen Blick erkennen, wie ihre Fach- und Forschungsbereiche oder Fakultäten im deutschlandweiten Vergleich abschneiden.

Ausblick und Fazit
Nino Tatanashvili und Marcel John aus dem Data Lab Team gaben zum Abschluss praktische Tipps zur Nutzung und Einblicke in kommende Weiterentwicklungen des Hochschulmonitors.
Der Tag zeigte deutlich, wie groß der Bedarf an fundierten, vergleichbaren Daten ist und wie wertvoll der Austausch zwischen Hochschulen und Data Lab für eine zielgerichtete Weiterentwicklung bleibt. Neben langjährigen Nutzerinnen und Nutzern waren auch Teilnehmende aus neuen Hochschulen vertreten, die das Tool künftig verstärkt einsetzen wollen. Die datenbasierte Steuerung und Entwicklung im Hochschulmanagement ist ein hochrelevantes, aber komplexes Themenfeld. Doch mit den richtigen Tools und Partnern an der Seite können Hochschulen das Potenzial der Academic Analytics für ihre strategische Entwicklung nutzen.

Haben Sie Fragen zum Hochschulmonitor oder anderen Produkten des Data Labs? Unser Team berät Sie gern.
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